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Wie reich sind Deutschlands Kirchen? - Grobe Verfälschung der Tatsachen beim Mittagsmagazin

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Sehr geehrte Damen und Herren,

unter dem Titel "Wie reich sind Deutschlands Kirchen?" (http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/mittagsmagazin/...) schreiben Sie:

Der Unterhalt von kirchlichen Kindergärten, Altenheimen oder Krankenhäusern wird teilweise aus Kirchensteuereinnahmen bezahlt. Doch auch da spart die Kirche immer mehr, so die Recherchen der Journalistin Eva Müller. Oft springen dann die Städte und Gemeinden ein.

Das ist eine grobe Verfälschung der Tatsachen!
Korrekt wäre etwa stattdessen:

Die Kirchen tragen nur einen geringen Anteil am Unterhalt von kirchlichen Kindergärten, Altenheimen oder Krankenhäusern aus der Kirchensteuer selbst. Bei Kindergärten beträgt der Anteil zwischen 0 und 15%, bei Altenheimen und Krankenhäusern ist er gleich Null: Bau und Infrastruktur werden vom Staat (meist den Ländern) finanziert, die Leistungen mit den Krankenkassen oder direkt mit den Patienten abgerechnet.

Ich fordere Sie freundlich auf, den Fehler zu korrigieren. Gerade diese ärgerlichen Halbwahrheiten und Verdrehungen sind es, um die es zurzeit geht! Nicht nur i. Zush. mit dem Limburger Bischof, sondern insgesamt beim Thema Kirchenfinanzierung.

Ich empfehle sehr das umfassendste derzeit verfügbare Buch zum Thema, "Violettbuch Kirchenfinanzen" von Carsten Frerk, auf dem auch mein obiger Textvorschlag beruht.

Mit freundlichen Grüßen,
Andreas Leber

Sehr erfreulich die bereits einige Minuten später eingetroffene Antwort des Mittagsmagazins. Das Bistum Mainz wird darin zitiert; nach Carsten Frerk sind es dagegen eher nur 10% der Kirchensteuer, die in soziale Zwecke gehen, nichts davon an die Krankenhäuser.

Sehr geehrter Herr Leber,

vielen Dank für Ihre E-Mail, die ich auch an unseren Redaktionsleiter weitergeleitet habe. Sie haben vollkommen recht, dass auch kirchliche Kindergärten, Altenheime und Krankenhäuser keineswegs vollständig durch Kirchensteuermittel finanziert werden – im gestern gesendeten Beitrag wurde das auch ausdrücklich von der Journalistin Eva Müller hervorgehoben (Zitat): "Ganz interessant ist, dass bis vor einigen Jahren die Kirche noch gut 30% in Nordrhein-Westfahlen beispielsweise zu den Kindergärten selbst dazugegeben hat. Im Moment kann man ungefähr von 5% ausgehen. Das heißt, die Kirche hat ihre eigenen Zuschüsse gerade bei den Kindergärten immer mehr zurückgefahren mit dem Argument wir haben zu wenig Geld, wir haben zu wenig Kirchensteuereinnahmen, es treten zu viele Leute aus, wir können das nicht mehr finanzieren."

Nach Aussage des Bistums Mainz (http://www.bistummainz.de/bistum/bistum/finanzen/index.html#3) fließt (Zitat) "rund ein Fünftel der Kirchensteuern … in soziale Einrichtungen vom Kindergarten bis zum Krankenhaus." Auch hier also eine – wenn auch geringe – Beteiligung der Kirche.

Mit freundlichen Grüßen

Gabi Wenzel
ARD-Mittagsmagazin

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